Wachenbuchen – Zwangsarbeit auf dem Lande

Bereits Ende 1939, nur wenige Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, kamen die ersten polnischen Kriegsgefangenen nach Wachenbuchen. Sie wurden dort eingesetzt, wo die als Soldaten eingezogenen jüngeren Männer fehlten. In der Landwirtschaft, in privaten Haushalten und bei der Gemeinde. Später wurden auch Frauen für die Zwangsarbeit rekrutiert und ins Gebiet des Deutschen Reiches gebracht.

Auf der Grundlage von früheren Recherchen des Ortschronisten Peter Heckert haben Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule die Einsatzorte auf einer Karte markiert, damit man sich davon ein Bild machen kann.                                                 

Entsandt wurden die hier eingesetzten Kriegs-gefangenen vom Stammlager IX A in Ziegenhain  (Nordhessen), später vom Lager IX B „Wegscheide“ bei Bad Orb, von wo sie auch nach Dörnigheim, Bischofsheim und Hochstadt beordert wurden sowie
in die Industrie der großen Städte.

Am 9. Mai erläuterte Karin Brandes, die Leiterin der Gedenkstätte in Ziegenhain, im Ev. Gemeindehaus Wachenbuchen, wie der Einsatz von Kriegsgefangenen organsiert war und welche Formen von Zwangsarbeit es gegeben hat. 

Konversion einer Sprengstofffabrik zur Stadt

Am 17. Juni 2023 besuchte unser Verein das Dokumentations- und Informationszentrum in Stadtallendorf. Die bei Marburg gelegene Stadt war im Zweiten Weltkrieg eine riesige Sprengstofffabrik, die in einem Wald angelegt worden war.
Seit Ende des Krieges befindet sich das gesamte Areal in der Wandlung zu einem normalen Wohnort. Größter Gewerbebetrieb und Arbeitgeber ist heute Ferrero, eine italienische Firma, die hier für ganz Deutschland ihre Schokoladenprodukte herstellt.

Am Rande der Stadt befinden sich noch Reste des ehemaligen Lagers der Zwangsarbeiter, die in den Sprenstoffwerke eingesetzt waren.

Schulprojekt erhält Sonderpreis

Das vom Brüder-Schönfeld-Forum e.V. begleitete Projekt der Herstellung von Audio- und Video-Dateien im bilingualen Geschichtsunterricht der Albert-Einstein-Schule ist beim Neujahrsempfang der Stadt Maintal mit einem Sonderpreis bedacht worden. In den Jahren 2021 und 2022 haben etwa 40 Schülerinnen und Schüler die Biografien von NS-Opfern in Bild und Ton skizziert, teilweise in englischer Sprache.

Mit diesem innovativen Format soll das Interesse der „Generation Zero“ an der deutschen Geschichte im Nationalsozialismus befördert werden.

Als Sonderpreis hat der für die Jugendarbeit zuständige Erste Stadtrat Karl-Heinz Kaiser einen Gutschein zum Kauf von Mikrofonen überreicht.

Die Schülerinnen Charlotte, Aalija und Jule der Albert-Einstein-Schule
mit dem Ersten Stadtrat Karl-Heinz Kaiser (rechts) und dem Vereinsvorsitzenden Herbert Begemann (links)