Zwangsarbeit im Hohen Vogelsberg

Bei einem Besuch des Muna-Museums Grebenhain am 1. August informierte sich unser Verein über Umfang und Bedingungen der Zwangsarbeit während des 2. Weltkriegs. „Muna“ war die Bezeichnung für ein großflächiges System von Munitionsbunkern mit den dazu gebauten Wohn- und Funktionsgebäuden. Bevorzugt lagen diese in abgelegenen Wäldern, sofern sie mit Güterzügen gut erreichbar waren. Es gab in Deutschland und den besetzten Gebieten mehr als 350 solcher „Munitionsanstalten“. Die Zwangsarbeit betraf überwiegend einheimische, dienstverpflichtete Frauen, aber auch Osteuropäer aus den von Deutschland besetzten Gebieten.

Nachbildung einer Fliegerbombe und diverse Originialbehälter in einem der Munitionsbunker
der Muna Hartmannshain (heute zu Grebenhain).
In der Bildmitte der Vorsitzende des Fördervereins Muna Grebenhain, Carsten Eigner.

Zweite Station des Vereinsexkursion war Hirzenhain im Wetteraukreis, wo am Stammort der Firma Buderus ebenfalls osteuropäische Arbeitskräfte eingesetzt waren. Gegen Ende des Krieges kam es am Rande des Ortes zu einem schrecklichen Kriegsverbrechen: Der Sicherheitsdienst der SS erschoss dort am 26. März 1945, also kurz vor dem Eintreffen der US-Armee, 81 Frauen und 6 Männer, welche aus Osteuropa nach hier verschleppt und in Hirzenhain zur Arbeit in den Breuer-Werken, einer Tochtergesellschaft von Buderus, gezwungen worden waren. An sie erinnert ein schlichtes Sandsteinkreuz abseits der Straße nach Glashütten.

Sensationeller Fund

Sensationeller Fund im Staatsarchiv Marburg: Der Gustavsburger Historiker Dr. Wolfgang Fritzsche fand im vergangenen Jahr einen Bauplan der Israelitischen Schule von Wachenbuchen.

Bisher gab es keine Abbildungen, wie das Bauwerk ausgesehen hat. Der jetzt entdeckte Plan aus dem Jahr 1882, erstellt für eine Aufstockung des Gebäudes, ist sehr detailliert und zeigt unter anderem den Grundriss der Wohnung des 1938 mit Gewalt aus dem Haus vertriebenen Lehrers Leo Sonneberg, seiner Ehefrau Hedwig und des Sohnes Paul.

Die Schule, angrenzend an die Synagoge, wurde im Zuge der Judenpogrome des November 1938 in Gänze abgebrochen.

Bild-Ausschnitt, Originalgröße des Planes ca. DIN A2
(HStAM Bestand 180 Hanau Nr. 5105)